Arme Kinder
In den OECD-Staaten wachsen insgesamt über 45 Millionen Kinder in Familien auf, die mit weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen müssen. Die Armutsrate der wächst unter Kindern schneller als unter Erwachsenen, auch in Deutschland. Der Themenabend sucht nach den Gründen für die steigende Kinderarmut und schildert ihre Folgen.
Themenabend: Was uns auf den Nägeln brennt
120 Min., ZDF
Durch den Abend führt Alexandra Gerlach.
Eine internationale UNICEF-Studie belegt, dass sich die Situation von Kindern in den meisten OECD-Staaten dramatisch verschlechtert hat. Auch in vielen reichen Nationen verarmen immer mehr Kinder. So lebt in Deutschland jedes siebte Kind in relativer Armut, das sind mehr als 1,7 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Betroffen sind vor allem Kinder aus Zuwandererfamilien und Kinder allein Erziehender. Kinderarmut lässt sich aber nicht nur am Einkommen der Eltern festmachen. Kinder aus armen Familien sind in vieler Hinsicht benachteiligt und ausgegrenzt. Neben dem Mangel an materiellen Dingen fehlt es oft an Zuwendung, Erziehung und Bildung. Häufig kommen gesundheitliche Probleme hinzu, verursacht durch falsche Ernährung und Bewegungsmangel. Die betroffenen Kinder können sich im Unterricht nicht konzentrieren und brechen öfter die Schule ab. So führt mangelhafte Ausbildung zu schlechten Berufschancen. Bei Kindern ausländischer Eltern kommen Sprachprobleme hinzu. Sie leben häufiger in beengten Wohnverhältnissen, in vernachlässigten Stadtteilen mit schlechten Schulen und unzureichenden sozialen Angeboten.
20.40 Uhr
Armutszeugnis
Kinderarmut im reichen Europa
55 Min.,
Dokumentation, Deutschland 2006, Erstausstrahlung
Regie: Valentin Thurn
Kinderarmut ist kein Problem, das sich auf die Dritte Welt beschränkt. Selbst in den reichen Ländern Europas ist Armut unter Kindern und Familien weit verbreitet. Die Dokumentation führt durch vier europäische Länder - England, Frankreich, Deutschland und Dänemark - und sucht nach Antworten auf die Frage, wo Armutsbekämpfung ansetzen kann und welche Modelle Erfolg versprechend sind.
Armut in den reichen Ländern der Europäischen Union? Für viele Kinder ist das Alltag und beinhaltet vielfältige Benachteiligungen: Sie erbringen schlechtere schulische Leistungen und brechen häufiger die Schule ab. Sie sind öfter krank als Kinder aus besser gestellten Familien, und mangelnde materielle Möglichkeiten verwehren ihnen Urlaubsreisen und Freizeitaktivitäten. Allerdings zeigt sich, dass Eltern, wenn sie wenig Geld haben, alles versuchen, um wenigstens Geschenke für die Kinder kaufen zu können. Sie schnallen den Gürtel enger, sparen beim Essen oder am Auto und wollen um jeden Preis vermeiden, dass ihre Kinder die Armut als Einengung erleben. Der Staat hilft in unterschiedlichem Maß. In England ist es der Regierung in den letzten fünf Jahren gelungen, die einstmals höchste Rate von Kinderarmut in ganz Europas um ein Viertel zu reduzieren. Milliardensummen werden in frühkindliche Bildung investiert, um Chancengleichheit bereits im Vorschulalter zu ermöglichen. Ganz anders die Situation in Deutschland: Waren soziale Ungleichheiten in der Vergangenheit relativ abgefedert, bewegt man sich jetzt konstant auf das frühere britische Niveau hinab. Frankreich steht geringfügig besser da, aber auch hier sorgt anhaltend hohe Arbeitslosigkeit für dauerhaft hohe Kinderarmut. Einen Kontrast dazu bildet Skandinavien. In Dänemark gibt es so gut wie keine Armut bei Kindern und Familien. Was machen die Dänen besser?
21.35 Uhr
Die Kinder der Arche
45 Min.
Dokumentation, Deutschland 2006, Erstausstrahlung
Regie: Jan Schwiderek und Viviane Schmidt-Gaster
Die Reportage zeigt drei Kinder aus dem Berliner Bezirk Hellersdorf, die jeden Tag in das von Pastor Bernd Siggelkow initiierte Projekt "Arche" kommen. Hier bekommen sie neben einer warmen Mahlzeit am Tag ein wenig Geborgenheit und Lebenshilfe für ihren von Armut gekennzeichneten Alltag.
In Deutschland leben 1,7 Millionen Kinder in Armut, also jedes siebte Kind. In Berlin und vielen anderen Großstädten sind durch Kinderarmut fast ein Drittel der Kinder vom normalen gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Für Kinder, deren Eltern im Zuge der Hartz-IV-Reformen vom Arbeitslosengeld II leben müssen, ist vieles tabu, was für andere Gleichaltrige selbstverständlich ist: Turnverein, Musikunterricht, Zoobesuch, Einkaufsbummel. Nachhilfeunterricht ist unbezahlbar, an Urlaub ist nicht zu denken. In vielen betroffenen Familien steht nicht einmal jeden Tag ein warmes Essen auf dem Tisch. Das Kinderhilfswerk "Arche" in Berlin-Hellersdorf will das ändern. Pastor Bernd Siggelkow, Initiator dieses Projekts, kam vor zehn Jahren mit seiner Familie nach Berlin-Hellersdorf. Er hat sich zum Ziel gesetzt, Kindern armer Familien täglich eine warme Mahlzeit zu ermöglichen. Die Zahl der Bedürftigen steigt. Heute kommen täglich mehr als 250 Jungen und Mädchen in die "Arche". Und sie bekommen hier viel mehr als nur ein Essen: Freizeitangebote, Lebenshilfe und ein wenig Geborgenheit. Die Reportage begleitet drei Kinder aus Hellersdorf, die jeden Tag in der "Arche" verbringen, und sie zeigt, wie die Kinder mit ihrer schwierigen Lebenssituation umgehen.
22.20 Uhr
Diskussionsrunde
20 Min.
Diskussion, Deutschland 2006, ZDF, Erstausstrahlung
Moderation: Alexandra Gerlach
Gäste:
- Martin HIRSCH,
Vorsitzender von EMMAÜS
- Paul Saatkamp,
Vertreter der Arbeiterwohlfahrt (AWO)
Ehemaliger Sprecher der Nationalen Armutskonferenz
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Arme Kinder
Themenabend, ZDF
10.01.2005, 20.40 Uhr