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Hat Johannes B. Kerner Eva Herman zu Recht aus seiner Talkshow rausgeworfen? Und was steckt wirklich hinter den umstrittenen Äußerungen der Ex-Moderatorin und Buchautorin? Machen Sie sich Ihr eigenes Bild. WELT ONLINE dokumentiert Hermans TV-Auftritt im Wortlaut.
Johannes B. Kerner: Guten Abend und Ihnen allen ein recht herzliches
Willkommen. Das Thema unserer heutigen Sendung ist im weitesten Sinne die
Rollenverteilung von Mann und Frau.
Wir
sprechen über Familie, über Emanzipation, über politische Ansätze und auch
über Äußerungen in der Öffentlichkeit. Ich begrüße sehr herzlich die
Fernsehmoderatorin Margarethe Schreinemakers. Herzlich willkommen
Margarethe, Mutter von zwei Söhnen.
Ein herzliches Willkommen
einer Schauspielerin, die seit 41 Jahren verheiratet ist und auch Mutter von
zwei Söhnen ist: Senta Berger – herzlich willkommen. Deutschlands
Frauenversteher Nummer eins ist Comedy-Star Mario Barth.
Und ich
begrüße sehr herzlich die Moderatorin Eva Herman, die sich ein wenig
verharmlosend über die Familienpolitik im Dritten Reich geäußert hat und die
vor einem Monat von ihrem Arbeitgeber dem NDR entlassen wurde.
Und
gleich zu Beginn beschäftigen wir uns also mit der Geschichte der
Buchautorin Eva Herman.
(In einem eingespielten Video wird der Fall kurz angerissen.)
Kerner: Eva, am 6.September war die Pressekonferenz, in der das Buch
vorgestellt werden sollte. Was hast du seitdem gelernt?
Eva
Herman: Ich habe gerade gelernt, dass du schon wieder eine, genau wie in
der letzten Zeit, falsche Äußerung getan hast. Nämlich, du hast gesagt, ich
hätte mich missverständlich über die Familienpolitik des Dritten Reiches
geäußert, und das habe ich definitiv nicht getan. Ihr habt auch in diesem
Fall gerade wieder einen abgeschnittenen Halbsatz gezeigt, der aus dem
Zusammenhang gerissen wurde.
Das heißt, ich habe gelernt, um jetzt auf die Frage zu antworten, dass das,
was berichtet wird, in der Presse häufig zu überprüfen ist, weil es häufig
auch nicht stimmt.
Kerner: Haben nur die anderen Fehler gemacht oder hast du auch
Fehler gemacht?
Herman: Wir können ja mal das ganze Zitat ansehen
Kerner: Das machen wir gleich in ganzer Ruhe.
Herman: Und dann würde ich vorschlagen, das lass doch die Zuschauer
selbst entscheiden.
Kerner: Ja, trotzdem hat man ja selbst auch eine eigene Bewertung.
Wir kriegen gleich das Originalzitat, wir kriegen jede verkürzte
Darstellung. Trotzdem die Frage: Glaubst du, dass du selbst auch Fehler
gemacht hast, oder ist es wirklich so, dass alle anderen die Fehler gemacht
haben?
Herman: Ich habe in diesem Fall keinen Fehler
gemacht, und es tut mir leid für die Presse und es tut mir leid für die
Menschen, die falsch informiert wurden, für mich ehrlich gesagt auch, weil
es Konsequenzen hatte, die nicht sehr erfreulich sind.
Kerner:
Dann wollen wir uns mit dem Originalzitat beschäftigen, das ist ja wirklich
wichtig. Erstmal das Zitat, das verfälscht dargestellt hat, das stand im
Hamburger Abendblatt vom 7.September 2007, zwei Tage nach der
Pressekonferenz zur Buchvorstellung.
„In diesem Zusammenhang“, das
ist jetzt das Zitat „In diesem Zusammenhang machte die Autorin einen
Schlenker zum Dritten Reich, da sei vieles sehr schlecht gewesen, z. B.
Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut, z. B. die Wertschätzung der
Mutter, die hätten die 68er abgeschafft, und deshalb habe man nun den
gesellschaftlichen Salat.“
Das war das, was im Hamburger
Abendblatt gestanden hat. Das Falsche, wie du sagst, und jetzt kommt, was
war daran falsch, oder sollen wir gleich das Richtige vorlesen?
Herman: Ja
Kerner: O.K., das gibt es nicht als Bilddokument, sondern nur als
Audiodokument. Bitte sehr:
(Der Radiomitschnitt wird eingespielt.) „Wir müssen den Familien
Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch eine Gerechtigkeit
schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor
allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen,
das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden
68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles
das, alles, was wir an Werten hatten, es war eine grausame Zeit, das war ein
völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk
ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, es ist damals eben auch das,
was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind
Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft.“
Kerner: War das wirklich gut, was damals war mit Müttern, mit
Kindern mit Familien?
Herman: Also nochmal, das Original zeigt ja ganz klar, dass ich von
den Werten, von den Werten sprach, die wir, also wir Menschen, schon vor dem
Dritten Reich, während des Dritten Reichs und auch bei den 68ern hatten, die
dann abgeschafft wurden. Ich sprach nicht von der Politik des Dritten
Reiches, sondern ich sprach von den Werten der Menschen.
Kerner: (zitiert) „das wissen wir alle, es ist damals eben
auch das was gut war, das sind Werte, das sind damals das was gut war,
damals“
Herman: Ja, weil ich hab, Moment Johanes, ich hab ja vorher gesagt,
wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder
wertschätzen lernen, das ja leider mit dem Nationalsozialismus und den 68ern
abgeschafft wurde. Das heißt, was vorher schon bestanden hat.
Kerner : Schon klar, (zitiert) „es war eine grausame Zeit,
das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das
deutsche Volk ins Verderben geführt hat,..“ das heißt, es geht ganz klar um
die Zeit, die von Adolf Hitler bestimmt war.
Und es geht weiter : „Wir wissen alle, es ist damals eben auch das was gut
war, und das sind ..“ und dieses damals bezieht sich ganz klar auf diese
Zeit, auch wenn du es nicht gewollt hast, „ und das sind Werte, das sind
Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde
abgeschafft.“
Herman: Nein! Nein, nein. Es geht um die Werte, die vorher bestanden
haben, ich sag doch vorher, das Bild der Mutter in Deutschland wieder, was
leider mit dem Nationalsozialismus, also vorher bestanden hat. Übrigens es
gibt ja auch noch Zitate davor, die wie durch ein Wunder alle überhaupt
nicht mehr auftauchen, sondern unter Verschluss gehalten werden.
Kerner: Eva, machen wir es so, wir werden ja ausführlich darüber
sprechen, und wir werden Fachleute zu Wort kommen lassen und Menschen, die
es einfach hören und empfinden, und natürlich werde ich auch meine Frage
stellen.
Bei uns zu Gast ist der Historiker Professor Doktor Wolfgang Wippermann von
der Freien Universität Berlin. Ihnen ein herzliches Willkommen, Herr
Wippermann. Was halten Sie von den Äußerungen von Eva Herman, was ist daran
richtig, was ist daran falsch?
Wippermann: Es ist falsch. Sie verwechselt Faschismus und
Konservativismus. Sie möchte, das konservative Frauen- und Mütterideal
verteidigen, dass ist ihr gutes Recht, heben die 3 Ks nämlich Kirche, Küche,
Kinder.
Aber der Punkt ist, dass dieses konservative Werteideal in
Anführungszeichen, einige finden das nicht gut und einiges hat sich auch
verändert, es sind inzwischen ja auch nicht nur Frauen in der Küche, sondern
auch Männer in der Küche und machen das ja auch ganz gut, aber dieses K,K,K
im Dritten Reich war etwas anderes, nämlich es war Rassenzucht,
Rassenvernichtung im Rassenstaat, und diesen Unterschied, den haben Sie
verwischt, und das war problematisch. Ich darf das ausführen vielleicht:
Rassenzucht bedeutete, dass Frauen erniedrigt wurden zu Muttertieren ,die
wurden ausgezeichnet, wie Kühe geradezu, für Kinder, vier Kinder gab das
Mutterkreuz in Bronze, für sechs gab es Silber, und acht waren Gold.
Das wollen Sie doch nicht. Es wurden Frauen ermordet, als Jüdinnen, als
Sinti, als Roma, aber auch als Asoziale und Kranke oder Schwachsinnige.
Schwachsinn war bei Frauen: Sozialer
Schwachsinn, normaler Schwachsinn, wenn man mehrere Geschlechtspartner
hatte, oder wenn man die Wohnung nicht ganz in Ordnung hatte, dann wurde man
zwangsweise sterilisiert, dann wurde eine Abtreibung durchgeführt, all das
ist damit verbunden, sozusagen. Und auch noch eins dazu, am Anfang wurden
Frauen aus dem Berufsleben verdrängt, einige kamen wieder herein, weil man
sie brauchte.
Aber auch das müssen Sie zugestehen: Moderatorinnen gab es im Dritten Reich
nun nicht, dass zu einen Punkt. Das heißt also, die Frauen wurden
diskriminiert, und das können Sie doch nicht gut finden, und das hat auch
mit diesen konservativen Idealen, die Sie verteidigen möchten, es sind nicht
meine Ideale, aber das können Sie durchaus tun, nichts zu tun, und Sie
sollten sich davon distanzieren.
Herman: Also vielen Dank erst Mal für den Geschichtsunterricht, aber
das sind keine Neuigkeiten, die Sie gerade von sich gegeben haben. Und wenn
Sie hierher kommen und Sie mit mir darüber sprechen wollen, dann setze ich
voraus, dass Sie vielleicht auch meine Bücher gelesen haben und dann wissen
Sie auch, dass beispielsweise in dem Buch „Das Eva-Prinzip“ ich mich mit
einem langem Unterkapitel genau um diese Zeit kümmere und damit intensiv
auseinandersetze und über die verheerenden Zustände in dieser Zeit berichte
und über die ausbeuterischen Zustände der Mutter und ich distanziere mich
hier noch einmal sehr energisch.
Ich möchte einmal dazu sagen, abgesehen davon, dass ich das völlig an den
Haaren herbeigezogen und unsachlich finde, weil mir hier wieder etwas
unterstellt wird, wovon ich mich die ganze Zeit distanziert habe, möchte ich
einfach mal darauf hinweisen auf dieser Pressekonferenz gab es ca. 30
Pressevertreter. Von diesen 30 Pressevertretern hat niemand eine Frage
gestellt, die in diese Richtung ging und auch niemand den nächsten Tag
darüber berichtet, dass ich mich missverständlich geäußert habe, denn ich
habe vor diesem Zitat mich mehrfach ausdrücklich distanziert von irgendeiner
Nähe zum Dritten Reich, im Gegenteil, ich habe es energisch von mir
gewiesen, weil ich die Erfahrung gemacht habe, mit dem Buch „Das Eva-
Prinzip“, ist bereits die braune Keule über mir geschwungen worden.
Ich habe mich jahrelange gegen Rechts eingesetzt bis jetzt und werde es auch
weiterhin tun. Aber was passiert ist, ist dass das Eva-Prinzip zum
Eva-Braun-Prinzip in der Presse gemacht wurde. Alice Schwarzer hat direkt im
ersten Interview mit dem "Spiegel" gesagt, meine Thesen seien
angesiedelt zwischen Steinzeitkeule und Mutterkreuz und hat auf die Frage
geantwortet, ob ihr die demokratische Krise, in der wir stecken, nicht
Sorgen bereite, da hat sie geantwortet :“Wir müssen dem Führer heute kein
Kind mehr schenken.“ Es ist nämlich ganz anders, die braune Keule wird von
vorn herein geschwungen, wenn man sich heute für Werte einsetzt für Kinder
und für Familie, und es wird einem unterstellt, aber ich warne davor, wer
versucht...
(Zwischenruf): Das finde ich überhaupt nicht, sorry. Ich muss jetzt...
Herman: Lass mich bitte kurz ausreden. Ich halte es für eine große
Gefahr, weil, wenn wir in unserer Demokratie Menschen behindern wollen,
darüber zu sprechen, wie wichtig in dieser Zeit, in der wir uns heute
befinden, wo ein deutlicher Werteverfall...
Kerner: Das ist gerade die Differenzierung, die er (Johannes B.
Kerner meint Professor Wippertal, Anm. der Redaktion) gemacht hat, er
hat ja gesagt gegen Konservativismus. Das kann man finden wie man will, aber
dass man gegen den Wert Familie nichts hat, gegen Kinder nichts hat. Aber du
hast doch den Vergleich, auch wenn er falsch dargestellt worden ist, du hast
doch die Begrifflichkeit eingeführt. Würdest du wenigstens sagen, dass es
problematisch war, diesen Vergleich heranzuziehen?
Herman: Es scheint heutzutage problematisch zu sein, wenn wir uns
auf die Suche machen nach der Ursache, warum sind wir heute da wo wir sind?
Warum...nein...
Kerner: Lass uns bitte es brennt mir so unter den Nägeln. Was ist es
für dich für ein Gefühl wenn du auf der Homepage der NPD abgefeiert wirst
und die DVU für dich demonstrieren gehen will?