« WPP2010 | Main | Julia-Stoschek-Collection »

Montag, Mai 24, 2010

Quoten

Auch wenn man es irgendwie vermuten könnte, ist die Konsequenz von manchen Produzenten hinsichtlich Quote interessant und desillusionierend zugleich. Nico Hofmann ist ein sehr erfolgreicher Produzent, der keine Skrupel hat, sein Fachwissen über Sehgewohnheiten dem künstlerischen Aspekt überzuordnen und Filme selbst so zu schneiden, dass sie zwischen die Werbe-Pinkelpausen passen:

Hofmann: ... Bei der "Grenze" war ich es, der dauernd anrief. ...Schon der erste Teil lag nur bei 4,7 Millionen. Es war klar, dass der zweite noch schlechter laufen würde. Der Quotenverlauf war kritisch, die Kurve zappelig.
SPIEGEL: Sie schauen sich nach der Ausstrahlung genau an, wie die Zuschauer sich im Minutenrhythmus verhalten haben?
Hofmann: Klar. Viele kamen erst fünf Minuten nach der Werbepause zurück - eh schon ein schlechtes Zeichen - und haben dann natürlich den Anschluss verpasst. Bei "Mogadischu" zum Beispiel habe ich vorab klar mit acht Millionen Zuschauern gerechnet, nicht mit zehn. Ich kannte das Risiko. Der Film fängt im Ausland an, mit arabischen Terroristen, die Arabisch sprachen und untertitelt wurden. Die deutsche Wirklichkeit begann quasi erst nach zehn Minuten. Der Film startete mit 9,5 Millionen und verlor bis dahin 2,3 Millionen. Aus Quotengründen hätte ich die Einstiegssequenz rausschneiden sollen.

Hofmann: Bei unserem Weltkriegsstoff "Laconia", einem britischen Passagierschiff, das von einem deutschen U-Boot versenkt wurde, streite ich mich gerade im Schneideraum, wie und wo der Film beginnt. Die Engländer wollen London, wir Deutschen wollen ihn hier starten lassen.
SPIEGEL: Man könnte unterschiedliche Anfänge basteln.
Hofmann: Genau das machen wir jetzt, weil der Anfang einfach unheimlich wichtig ist für die Quote.

Ebenso scharf und gnadenlos werden Filmstoffe beurteilt, man lernt so Vokabeln wie "auserzählt":

SPIEGEL: Guido Westerwelle - eine schwule Karriere in Deutschland?
Hofmann: Komplett uninteressant und im Übrigen auch in den Medien völlig auserzählt. Wo soll da der erzählerische Mehrwert für de Fernsehzuschauer sein? Guido Westerwelle ist viel zu präsent, ohne dass er mich spüren lässt, wer er wirklich ist.

Erstellt von tixus um 11:38 PM Kategorien:
Powered by
Thingamablog 1.1b6