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Montag, Dezember 27, 2010

Wikileaks und wir

ich stimme Hans-Martin Tillack zu, wenn er die WL-Veröffentlichungen und das Echo darauf so zusammen fasst:

Und ich finde es erstaunlich, wie viele schlechte Verlierer es im deutschen Journalismus gibt. Nicht wenige Kollegen spielen die Bedeutung der Papiere herunter und sprechen von Enthüllungen, die wir angeblich nicht brauchten, weil sie nur „mit mäßigem Nährwert“ ausgestattet seien.
Jedenfalls überraschend, dass selbst 42 Jahre nach dem angeblich antiautoritären Aufbruch von 1968 Journalisten sich bei uns immer noch dafür rechtfertigen müssen, dass sie Geheimnisse des Staates verraten.
Natürlich, Medien dürfen nicht bedenkenlos alles veröffentlichen, was ihnen in die Hände fällt.
Auch die Privatsphäre und laufende Ermittlungen verdienen Schutz. In letzterem Fall aber keinen absoluten, denn immer wieder kam es vor, dass Presseberichte zögerliche Ermittlungsbehörden erst angetrieben haben.
Beides – hohes Leserinteresse und hohe Relevanz – kann man den bisher bekannten US-Kabeln nicht abstreiten.
Richtig ist: Journalisten – und auch Wikileaks – dürfen nicht unmittelbar Menschenleben gefährden. Doch für mittelbare Konsequenzen tragen andere die Verantwortung. Die Nachricht, dass China sich von Nordkorea distanziert, hätte jede verantwortliche Zeitungsredaktion veröffentlicht – weil sie relevant ist.

Und er hat ein paar kluge Sachen zum Unterschied von Journalisten und ihren Quellen gesagt:

Journalisten und ihre Quellen haben eben keine deckungsgleichen Interessen. Wenn Journalisten Wikileaks-Papiere nutzen, dann machen sie sich nicht mit Wikileaks gemein. Genauso wie Journalisten täglich Informationen der Regierung nutzen müssen, ohne sich – hoffentlich – mit dieser gemein zu machen.
Für das, was Menschen, Firmen oder Regierungen als Reaktion auf einen Artikel tun, tragen sie die Verantwortung, nicht der Journalist.

Erstellt von tixus um 12:17 AM Kategorien:
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