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Auch wenn man es irgendwie vermuten könnte, ist die Konsequenz von manchen Produzenten hinsichtlich Quote interessant und desillusionierend zugleich. Nico Hofmann ist ein sehr erfolgreicher Produzent, der keine Skrupel hat, sein Fachwissen über Sehgewohnheiten dem künstlerischen Aspekt überzuordnen und Filme selbst so zu schneiden, dass sie zwischen die Werbe-Pinkelpausen passen:
Hofmann: ... Bei der "Grenze" war ich es, der dauernd anrief.
...Schon der erste Teil lag nur bei 4,7 Millionen. Es war klar, dass der
zweite noch schlechter laufen würde. Der Quotenverlauf war kritisch, die
Kurve zappelig.
SPIEGEL: Sie schauen sich nach der Ausstrahlung genau
an, wie die Zuschauer sich im Minutenrhythmus verhalten haben?
Hofmann:
Klar. Viele kamen erst fünf Minuten nach der Werbepause zurück - eh
schon ein schlechtes Zeichen - und haben dann natürlich den Anschluss
verpasst. Bei "Mogadischu" zum Beispiel habe ich vorab klar mit acht
Millionen Zuschauern gerechnet, nicht mit zehn. Ich kannte das Risiko.
Der Film fängt im Ausland an, mit arabischen Terroristen, die Arabisch
sprachen und untertitelt wurden. Die deutsche Wirklichkeit begann quasi
erst nach zehn Minuten. Der Film startete mit 9,5 Millionen und verlor
bis dahin 2,3 Millionen. Aus Quotengründen hätte ich die
Einstiegssequenz rausschneiden sollen.
Hofmann: Bei unserem Weltkriegsstoff "Laconia", einem britischen
Passagierschiff, das von einem deutschen U-Boot versenkt wurde, streite
ich mich gerade im Schneideraum, wie und wo der Film beginnt. Die
Engländer wollen London, wir Deutschen wollen ihn hier starten lassen.
SPIEGEL:
Man könnte unterschiedliche Anfänge basteln.
Hofmann: Genau
das machen wir jetzt, weil der Anfang einfach unheimlich wichtig ist für
die Quote.
Ebenso scharf und gnadenlos werden Filmstoffe beurteilt, man lernt so Vokabeln wie "auserzählt":
SPIEGEL: Guido Westerwelle - eine schwule Karriere in Deutschland?
Hofmann:
Komplett uninteressant und im Übrigen auch in den Medien völlig
auserzählt. Wo soll da der erzählerische Mehrwert für de
Fernsehzuschauer sein? Guido Westerwelle ist viel zu präsent, ohne dass
er mich spüren lässt, wer er wirklich ist.