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Wer kann heute noch selbst bei einem einfachen Produkt die einzelnen
Inhalte erkennen, geschweige denn herstellen? Die Puddingplunder z.B.
vom Bäcker hat 10 Beteiligte: Mehl (Saatgut-Produzent, Bauer, Mühle),
Vanille (Afrika, Container). In
der Doku "Weltfabrik" wird gezeigt, welche
Wege die Rohstoffe und Halbprodukte bis zu ihrem Ziel
"Mönckebergstraße" nehmen.
Cotonou, Benin, Westafrika: Hier beginnt die lange Reise einer deutschen Herrensocke. Immer mehr Alltagsgüter werden global produziert und reisen dabei um die ganze Welt. Der Film zeigt anhand verschiedener alltäglicher Produkte wer, wo und wie an den globalen Fertigungsprozessen beteiligt ist und warum in China ein deutsches Kinderbuch auf finnischem Papier gedruckt wird.
Es gibt nicht nur das Kinderbuchbeispiel, auch das Markenprodukt Tabac folgt den Gesetzen von Preis und Qualität auf zum Teil abenteuerlichen Wegen: Flacon-Brennen in Deutschland Standort A, bedrucken in Tschechien, Mischung der Inhalte und Abfüllung in Deutschlang Standort B, Import wichtiger Inhaltsstoffe aus Paraguay, Verkauf auch in Südafrika.
Interessant ist auch der Arbeitsalltag eines 1-Euro-Gimmick-Einkäufers
bzw. Geschenkescouts. Er vermittelt zwischen China und Europa billigste
Artikel; ich bin mal wieder überrascht, wie groß doch die Handelsspannen
bzw. das Verhältnis von EK zu Verkaufspreis ist: EK einer
Weihnachtskugel von innen bemalt für EUR 1,55 inkl. Verpackung; +20% für
den Einkäufer, +x% Grosshandel, +100% Einzelhandel ->auf dem Ladentisch
kostet sie dann EUR 15 und es ist absolut zweitrangig, wieviel der
chinesische Arbeiter dafür bekommt. Und dabei verdient zum Einen der
chinesische Verkäufer noch etwas und der Einkäufer hat nicht einmal
besonders gehandelt...