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ich stimme Hans-Martin
Tillack zu, wenn er die WL-Veröffentlichungen und das Echo
darauf so zusammen fasst:
Und ich finde es erstaunlich, wie viele schlechte Verlierer es im
deutschen Journalismus gibt. Nicht wenige Kollegen spielen die Bedeutung
der Papiere herunter und sprechen von Enthüllungen, die wir angeblich
nicht brauchten, weil sie nur „mit mäßigem Nährwert“ ausgestattet seien.
Jedenfalls
überraschend, dass selbst 42 Jahre nach dem angeblich antiautoritären
Aufbruch von 1968 Journalisten sich bei uns immer noch dafür
rechtfertigen müssen, dass sie Geheimnisse des Staates verraten.
Natürlich,
Medien dürfen nicht bedenkenlos alles veröffentlichen, was ihnen in die
Hände fällt.
Auch die Privatsphäre und laufende
Ermittlungen verdienen Schutz. In letzterem Fall aber keinen absoluten,
denn immer wieder kam es vor, dass Presseberichte zögerliche
Ermittlungsbehörden erst angetrieben haben.
Beides – hohes
Leserinteresse und hohe Relevanz – kann man den bisher bekannten
US-Kabeln nicht abstreiten.
Richtig ist: Journalisten – und auch
Wikileaks – dürfen nicht unmittelbar Menschenleben gefährden. Doch für
mittelbare Konsequenzen tragen andere die Verantwortung. Die Nachricht,
dass China sich von Nordkorea distanziert, hätte jede verantwortliche
Zeitungsredaktion veröffentlicht – weil sie relevant ist.
Und er hat ein paar kluge Sachen zum Unterschied von Journalisten und ihren Quellen gesagt:
Journalisten und ihre Quellen haben eben keine deckungsgleichen
Interessen. Wenn Journalisten Wikileaks-Papiere nutzen, dann machen sie
sich nicht mit Wikileaks gemein. Genauso wie Journalisten täglich
Informationen der Regierung nutzen müssen, ohne sich – hoffentlich – mit
dieser gemein zu machen.
Für das, was Menschen, Firmen oder
Regierungen als Reaktion auf einen Artikel tun, tragen sie die
Verantwortung, nicht der Journalist.